Nachbarschaft wächst zwischen Ringelblumen und Radieschen

Wie aus einem Innenhof im Kannenstieg ein Gemeinschaftsgarten wird.

„Acker-Coach“ Sarah Holz von „Ackerpause“, WOBAU-Geschäftsstellenleiter Tobias Hoffmann und sein MWG-Kollege Torsten Wiemann (v.l.) gaben mit einem jungen Anwohner im Kannenstieg den Startschuss für das Gartenprojekt auf dem Innenhof.

Kohlrabi reckt seine hellgrünen Blätter in die Sonne, dazwischen leuchten Radieschenköpfe in sattem Rot, zarte Kräuter verströmen ihren Duft. Mitten im Innenhof, umgeben von Hochhäusern wird gegossen, gejätet und geschnackt. Hier im Kannenstieg, zwischen Otto-Nagel-Straße und Johannes-R.-Becher-Straße, wächst etwas ganz Besonderes: ein Garten-Gemeinschaftsprojekt für Nachbarn. Und nebenbei auch gesundes Gemüse, Marke: Eigenanbau.

„Ackerpause“ heißt das Vorhaben, das die WOBAU gemeinsam mit der MWG, engagierten Partnern im Stadtteil und der deutschlandweit aktiven, gleichnamigen Initiative ins Leben gerufen hat. Acht Hochbeete wurden aufgestellt, befüllt und bepflanzt. Hier zeigt sich, dass Urban Farming, also Gemüseanbau mitten in der Stadt, nicht nur möglich ist, sondern auch Menschen verbindet. „Wir wollen, dass die Menschen hier nicht nur wohnen, sondern sich auch verbunden fühlen – mit dem Ort und miteinander“, sagt Tobias Hoffmann, Geschäftsstellenleiter der WOBAU in Nord: „Mehr denn je wird der Innenhof jetzt ein Ort der Begegnung und des Miteinanders.“

Kannenstieg-Hof feiert Wiedervereinigung
Der Startschuss fiel beim Frühlingsfest Ende April, das gemeinsam mit der benachbarten Pfingstgemeinde „Vaters Haus“, dem Bürgerverein Nord und der Landeshauptstadt Magdeburg unter Schirmherrschaft des Beigeordneten für Soziales, Jugend und Gesundheit organisiert wurde. Der Himmel strahlte, der Grill glühte, und es wurde nicht nur gefeiert, sondern auch geschaufelt, gesät und gegossen. Mit Unterstützung von der Ackerpause-Initiative wurde Erde bewegt, Wissen geteilt und Lust aufs gemeinsame Gärtnern geweckt.
Apropos gemeinsam: Ein Zaun, der bislang den Hof zwischen WOBAU- und MWG-Bereich teilte, wurde in einer gemeinsamen Aktion kurzerhand beseitigt, beide vorher getrennten Spielplätze damit verbunden. „Wir haben auch in neue Spielgeräte und eine Sitzecke für Jugendliche investiert“, so Hoffmann.

Auch die Kirchengemeinde unterstützt
Damit der neue Garten auch gut gedeiht, wurden Patenschaften für die Beete ausgeschrieben. „Inzwischen haben schon fast alle Beete einen Paten gefunden“, berichtet Monique Wagner, Verantwortliche für Sozialmanagement bei der WOBAU. Wer mitmacht, bekommt nicht nur praktische Tipps von erfahrenen Ackercoaches, sondern kann mit der begleitenden App alles Wichtige rund ums Gärtnern nachschlagen – vom Aussaatplan bis zur Erntezeit. Tobias Hoffmann freut sich unterdessen auch über das Engagement der Gemeinde „Vaters Haus“, die Wasser  für die Stadtgärtner vom Kannenstieg zur Verfügung stellt und auch sonst mit anpackt: „Ein echter Gewinn fürs Quartier.“
Mehr als 300 Wohnungen der WOBAU liegen direkt um den neu entstandenen Garten. Für viele Mieterinnen und Mieter ist er inzwischen zur Freizeitbeschäftigung und zum Treffpunkt geworden.

Bunte Wimpelketten, gestaltet von Kitas, Schulen und Einrichtungen aus dem Stadtteil, flatterten zum Frühlingsfest im Wind und setzten ein buntes Zeichen im Kannenstieg – für einen Sommer voller Wachstum und Begegnungen. Und vielleicht den besten Radieschen der Stadt.