Kraftprobe für die Wohnungswirtschaft

WOBAU-Geschäftsführer Peter Lackner über wichtige Bauprojekte in Magdeburg, steigende Kosten sowie Pläne für das frühere Logenhaus und ein neues Klosterquartier

Interview:

Herr Lackner, was waren die wichtigsten Bauprojekte der WOBAU in diesem Jahr?
Unsere wichtigsten Bauprojekte waren die energieautarken Reihenhäuser im Marderweg, das Sportzentrum vor dem FCM-Stadion sowie unser Studentenwohnen in der Walther-Rathenau-Straße.

 

Die Immobilienbranche beklagt Kostensteigerungen auf dem Bau sowie Inflation und steigende Zinsen. Wie wirkt sich das auf die WOBAU und den Wohnungsbau in Magdeburg aus?
Ein Wohnungsneubau ist unter den derzeitigen Rahmenbedingungen kaum noch wirtschaftlich darstellbar. Wir werden uns insofern auf die Sanierung unseres Wohnungsbestandes konzentrieren und planen derzeit keinen Neubau. Das Thema Energieeffizienz und energetische Sanierung werden in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen, und wir werden versuchen, uns auch hier deutlich weiterzuentwickeln.

 

Welche konkreten Baupläne verfolgt die WOBAU im kommenden Jahr?
Im nächsten Jahr werden wir verstärkt die Komplexmodernisierung mit Grundrissveränderungen und die Instandsetzung in der Beimssiedlung vorantreiben, aber auch in Friedenshöhe in der Astonstraße/Bundschuhstraße wird die energetische Sanierung unserer Wohngebäude fortgesetzt. Und natürlich wollen wir unsere Strangsanierung in der Regierungsstraße 37 a-e beginnen. Des Weiteren ist Am Stadtblick 1-17 im Neustädter Feld eine Komplexsanierung mit teilweisem Aufzugseinbau vorgesehen.

 

Im Breiten Weg/Nordabschnitt sollte eigentlich in einer Baulücke ein Internationales Haus mit Willkommens-Center insbesondere für Fachkräfte aus aller Welt für die Stadt Magdeburg gebaut werden. Das Projekt wurde in dieser Form nun seitens der Stadt abgesagt. Wird die Fläche dennoch bebaut und wie soll sie künftig genutzt werden?
Der Zwischenbau im Breiten Weg 118 wird von uns überplant. Aus dem Großraum­büro für das Internationale Haus wollen wir nun kleinere, separate Verwaltungseinheiten schaffen. Entsprechende Nachfrage ist bereits vorhanden. Die Optimierung der Planung wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Wir nehmen an, dass wir vielleicht Ende nächsten Jahres mit dem Bau beginnen können.

 

Viele Magdeburgerinnen und Magdeburger interessiert auch die Zukunft für das früheren Logenhaus in der Weitlingstraße. Wie geht es dort weiter?
Wir haben jetzt für das Logenhaus die Fassadenförderung bekommen und planen im ersten Bauabschnitt eine Instandsetzung der Fassade sowie die Herrichtung für die Nutzung als einen an die Pracht der Logenzeit erinnernden Saal. Damit wird das Logenhaus als Ganzes erst einmal benutzbar gemacht. Es gibt einige Interessenten, allerdings aus dem unteren Preissegment. Wir arbeiten an einer Gesamtkonzeption als WOBAU-Kultur- und Begegnungszentrum.

 

Eine breite öffentliche Diskussion gibt es auch um die Pläne für eine Bebauung des Prämonstratenserbergs hinter dem Allee-Center Richtung Elbe. Dafür gibt es Entwürfe für moderne Gebäude, die historische Fassaden aus dem alten Magdeburg und aus dem Stadtbild verschwundene bekannte Gebäude aufgreifen. Wie ist dort der Stand der Planungen?
Am Prämonstratenserberg planen wir unser neues Klosterquartier mit den his­torischen Nachbauten und sind derzeit in der B-Plan-Entwicklung. Die ersten Bürgerbeteiligungen bzw. Anhörungen sind erfolgt und wir hoffen, dass der erarbeitete Plan im Stadtrat die Zustimmung findet. Mittlerweile haben sich auch schon mehrere Interessenten bei uns gemeldet, die in dieses Projekt investieren wollen. Wir gehen davon aus, dass die WOBAU dieses Projekt nicht alleine bauen wird. Wir sind der Meinung, dass das Projekt eine Bereicherung für die Stadt sein wird.

 


Wie fällt Ihre Bilanz für das Geschäftsjahr 2023 aus und wie blicken Sie auf 2024?
Die Rahmenbedingungen im Geschäftsjahr 2023 haben sich stark verändert. Auf die Wohnungswirtschaft kommt eine große Kraftprobe zu. Die steigenden Zinsen, die steigenden Energiekosten sowie die steigenden Baupreise stellen sehr große Herausforderungen an die Wohnungsbranche. Die WOBAU als größtes Unternehmen in Sachsen-Anhalt ist sehr gut aufgestellt und wird auch diese Herausforderung meistern, aber die CO2-Abgaben werden unsere Mieter zukünftig schon sehr belasten. Ich hoffe, dass im Jahr 2024 die Energie­preise stabil bleiben, man vernünftige Entscheidungen zur Weiterführung der Energiepreisbremse trifft und wir eine friedliche Zeit bekommen.

Wir sind der Meinung, dass das neue Klosterquartier mit historischen Nachbauten eine Bereicherung für die Stadt sein wird.

WOBAU-Geschäftsführer Peter Lackner

 

 

Das frühere Logenhaus in der Weitlingstraße. Die Fassade soll instandgesetzt und das historische Gebäude wieder nutzbar gemacht werden.