Heißer Dampf schrumpft Prostata
Dass sich bei Männern im Laufe des Lebens die ungefähr kastaniengroße Vorsteherdrüse (Prostata) vergrößert, ist eine ganz natürliche Entwicklung. Bei vielen bleibt diese Vergrößerung gutartig, dennoch macht sie Beschwerden. Auch bei gering vergrößerter Prostata kann die Harnröhre, die durch sie hindurchführt, eingeengt werden – schlimmstenfalls bis zum Harnverhalt. Im Klinikum Magdeburg hat Dr. Rainer Hein, Chefarzt der Klinik für Urologie, jetzt eine OP-Methode („Rezum“) eingeführt, die in ganz Sachsen-Anhalt nur hier angeboten wird und für viele Männer eine echte Alternative bietet.
Bislang hatten Betroffene nämlich in der Regel die Wahl: Entweder sie nehmen dauerhaft Tabletten wegen der vergrößerten Prostata, was sich jedoch u.a. auch auf den Blutdruck auswirken kann, oder sie lassen ihre Vorsteherdrüse von innen ausschälen. „Viele Patienten scheuen diesen Eingriff, weil sie Angst davor haben, dass Komplikationen wie Blutung, Infektion und ein längerer stationärer Aufenthalt notwendig werden“, sagt Dr. Hein.
Mit dem „Rezum“-Verfahren gibt es nun einen neuen Weg, dessen Erfolg in Studien bewiesen ist. Wieder gehen die Operateurinnen und Operateure durch die Harnröhre bis zur Prostata – doch dann ist alles anders: Sie messen die Länge der Harnröhre in der Vorsteherdrüse, legen eine Art „Karte“ an und setzen anhand dieser Daten gezielt Einstiche in das Gewebe. Die Einstiche erfolgen mittels einer speziellen Applikationsnadel, die an ihrer Spitze Wasserdampf abgeben kann. Dieser Dampf ist 103 Grad heiß und wird über neun Sekunden an der Stelle des Einstichs in das Gewebe gegeben. Dies wird je nach Größe des Organs an vier bis sechs Stellen getan. „Das Gewebe verdampft also, was kurzzeitig zu einer Schwellung führt. Schließlich aber vernarbt das behandelte Gewebe, wird vom Körper abgebaut und die Prostata schrumpft“, erklärt Dr. Hein.
Sechs Monate nach dem Eingriff, das besagen Forschungsdaten, hat sich die Prostata fast um ein Drittel (28,9 %) verkleinert. Auch Dr. Hein hat bei seinen Patienten eine deutlich kleinere Prostata und eine Verbesserung der Lebensqualität festgestellt: „Der Harnstrahl wurde um 50 Prozent verbessert.“ Der Eingriff ist komplikationsarm, blutungsarm und kann – weil er nur wenige Minuten dauert – im Dämmerschlaf erfolgen; eine Narkose ist dafür also nicht notwendig. Da die Forschungsdaten besagen, dass der optimale Zeitpunkt der Gewebeeinschmelzung bei drei bis sechs Monaten liegt, sind abschließende Aussagen zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht zu treffen. Dr. Hein und sein Team hatten die Betroffenen in der Zeit von August bis Oktober 2024 operiert. „Wir beobachten den Verlauf weiter, aber wenn es bisher bereits solch gute Verbesserungen gibt, dann freue ich mich auf die Ergebnisse in ein paar Monaten“, sagt Dr. Hein.